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2010-2019: Ein Jahrzehnt im Rückblick

Stellen Sie sich vor, es ist Anfang Januar 2010 und Sie lesen einen Marktrückblick. Für Anleger waren die letzten drei Jahre eine Achterbahnfahrt, die mit den Turbulenzen der globalen Finanzkrise begann. Zwischen 2008 und 2009 brachen die Kurse ein, doch im März 2009 setzte dann eine Erholung ein, die noch immer anhält.

Wer in der Krise nicht die Nerven verloren hatte, wurde jetzt belohnt. Die Erholung ist jedoch erst 10 Monate alt, und die Märkte sind noch immer weit von ihren früheren Höchstständen entfernt. Prognosen über die Entwicklung der kommenden Jahre gehen weit auseinander. Mit der Schlagzeile „Bullenmarkt zeigt Alterserscheinungen“1 brachte das Wall Street Journal die Unsicherheit im Dezember 2009 auf den Punkt. Wie die Autoren feststellen, sind zwar die Aktienkurse sowie Indizes im Aufwind, allerdings wachsen die Sorgen, den Märkten könne die Luft ausgehen.

Aus damaliger Sicht könnte man sich fragen, ob man tatsächlich an seinem Investmentplan festhalten, oder doch lieber alle Wertpapiere verkaufen und auf Anzeichen einer Erholung warten sollte. Betrachten wir die weitere Entwicklung einmal aus heutiger Perspektive. Wurden Aktienanleger die auf Kurs blieben belohnt?

Gemessen an der Gesamtrendite haben sich die Kurse an den globalen Aktienmärkten zwischen 2010 und 2019 mehr als verdoppelt (Abbildung 1). Die annualisierte Rendite des MSCI All Country World IMI-Index, der sowohl Small Cap- als auch Large Cap-Aktien aus Industrie- und Schwellenländern erfasst, lag in diesem Zeitraum bei 8,91%. Hätte ein Anleger Anfang des Jahres 2010 10.000 US-Dollar in Aktien des Index investiert, wäre sein Vermögen bis Ende 2019 auf 23.473 US‑Dollar angewachsen.

Trotz positives jährlicher Renditen in den meisten der letzten zehn Jahre mussten Anleger jedoch mit ständiger Unsicherheit leben, für die es zahlreiche Ursachen gab: Eine beispiellose Herabstufung der US-Bonität, die Staatsschuldenkrise in Europa, Negativzinsen, abflachende Zinsstrukturkurven, das Brexit-Referendum, die US-Wahlen im Jahr 2016, Rezessionen in Europa und in Japan, abkühlendes Wirtschaftswachstum in China, Handelskriege und geopolitische Turbulenzen im Nahen Osten, um nur einige zu nennen.

Auch technologische Fortschritte im elektronischen Handel und Cloud Computing prägten das vergangene Jahrzehnt. Darüber hinaus lernte die Welt Smartphones und soziale Medien zu kennen und zu schätzen, die Automatisierung schritt voran, künstliche Intelligenz wurde besser, und neue Produkte wie elektrische und sogar erste selbstfahrende Autos kamen auf den Markt.

Ein Rückblick legt den Schluss nahe, dass Unsicherheit ein prägendes Merkmal des vergangenen Jahrzehntes war – genau wie der Jahrzehnte davor. Allerdings fiel die Volatilität am US-Aktienmarkt im Vergleich zu früheren Jahrzehnten eher moderat aus, wie an den Renditen und Standardabweichungen in Abbildung 2 zu sehen ist. Dabei bedeutet eine höhere Standardabweichung höhere Kursschwankungen im entsprechenden Jahrzent.

DIE VORTEILE DER DIVERSIFIKATION

Die vergangenen zehn Jahre waren schwierig für Anleger, die ihr Portfolio global diversifiziert und in renditestärkere Marktsegmente investiert hatten: Small Caps und Value- Aktien (also günstig bewertete Aktien). Wie in Abbildung 3 zu erkennen ist, wurden Anleger in den 2000ern im Allgemeinen für Aktienbeteiligungen in Schwellenländern und Industrieländern (ohne USA) belohnt. In den 2010ern konnte der US-Markt andere Industrieländer sowie Schwellenmärkte dagegen abhängen.

Auch die Renditeabweichungen zwischen Value- und Growth-Aktien (Aktien mit vergleichsweise hohen Bewertungen) sowie Small- und Large Caps schwankten je nach Jahrzehnt. Small Cap- und Value-Aktien konnten Large Cap- und Growth-Aktien in den 2000ern abhängen, in den 2010ern war die Entwicklung dagegen weniger eindeutig. In den USA und in Schwellenländern blieben Small Caps hinter dem Large Cap-Segment zurück, in anderen Industrieländern entwickelten sie sich jedoch besser. Value-Aktien hatten dagegen in allen drei Regionen das Nachsehen. Trotz ihrer unterdurchschnittlichen Entwicklung warfen Small Cap- und Value-Aktien in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von 11,83% bzw. 11,71% ab.

Abbildung 4 zeigt die kumulierten Anlageergebnisse beider Jahrzehnte: Small-Cap- und Value-Aktien konnten Large Cap- und Growth-Titel sowohl in den USA als auch in anderen Industrieländern und in den Schwellenmärkten abhängen. Wie man an den annualisierten 20-Jahres- Renditen ablesen kann, konnten Anleger mit einem diversifizierten Portfolio Extremphasen überstehen und längerfristig positive Ergebnisse erzielen.

Auch die Entwicklung an den globalen Rentenmärkten dürfte den ein oder anderen Anleger überrascht haben. Im Jahr 2010 standen die Zinsen auf einem Rekordtief. Als sich Wirtschaft und Märkte schließlich von der Krise erholten, hätte man steigende Zinsen erwarten können. Tatsächlich sind während der letzten zehn Jahre jedoch nur die kurzfristigen Zinsen gestiegen, während die langfristigen Zinsen dagegen sanken. Die realisierten Laufzeitprämien waren positiv, da sich Anleihen mit längeren Laufzeiten in der Regel besser entwickelten als kurzfristige Anleihen. Dasselbe galt für die realisierten Bonitätsprämien, da Anleihen mit niedriger Bonität höherwertige Anleihen in der Regel ebenfalls abhängen konnten.

BEWÄHRTE ANLAGEPRINZIPIEN

Damit kommen wir zur Gegenwart – Januar 2020. Für die Aktien- und Rentenmärkte in den USA und in vielen anderen Industrie- und Schwellenländern war 2019 ein sehr gutes Jahr. Die US-Kursrallye ist inzwischen zehn Jahre alt. Die Schlagzeilen dieser Tage könnten Anlegern Grund zur Sorge geben, etwa vor einer Umkehr der Globalisierung, dem Klimawandel, den Grenzen der Geldpolitik, dem Brexit und den Unwägbarkeiten der US-Wahlen in diesem Jahr. Und das sind nur die bekannten Unbekannten. Wer kann mit Sicherheit sagen, was die nächsten 10 Jahre bringen werden? Die einzige Gewissheit ist, dass das kommende Jahrzehnt seine eigenen Überraschungen mit sich bringen wird.

Von dem vergangenen Jahrzehnt (und den Jahrzehnten davor) können wir eines lernen: Trotz aller Veränderungen und Unsicherheiten bleiben die Grundprinzipien erfolgreicher Vermögensanlage gültig: Das bedeutet sorgfältige Diversfizierung nach Märkten und Assetklassen zur Streuung von Risiken und Optimierung des Renditepotentials einerseits, sowie Disziplin verbunden mit einem langen Anlagehorizont andererseits. Anleger sollten tagesaktuelle Nachrichten mit Vorsicht genießen und sich in ihren Anlageentscheidungen nicht durch Ängste leiten lassen, denn Prognosen und Markt-Timing lohnen sich nicht. Anleger sollten stattdessen einen vernünftigen Plan aufstellen, der sich an bewährten Prinzipien orientiert, und an diesem Plan festhalten.

Wer sich an diese Grundsätze hält, kann in jedem Jahrzehnt bessere Ergebnisse erzielen.

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