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„Nicht nur auf die Fondskosten schauen!“

ETFs werden immer beliebter – und das Angebot steigt. Aus mehr als 1.300 unterschiedlichen börsennotierten ETFs können Anleger in Deutschland auswählen. Worauf sollte ich bei der Auswahl eines ETFs achten? Honorarberater Davor Horvat gibt wertvolle Tipps.

Exchange Traded Funds, kurz ETFs, haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung gezeigt. Sie sind aus vielen privaten Wertpapierportfolios nicht mehr wegzudenken – institutionelle Investoren setzen bereits seit Jahren auf diese Anlageform. Der große Vorteil der ETFs: Sie bieten eine breite Streuung bei sehr günstigen Kosten. Zugleich können aktiv gesteuerte Fonds nur in seltenen Fällen die Wertentwicklung Ihres Vergleichsindex schlagen. Aber auch wenn die Anlagestrategie steht – gerade bei großen Aktienindizes stehen mehrere unterschiedliche ETFs zur Verfügung. Welchen ETF sollte man als Anleger bevorzugen?

„Die meisten Privatanleger schauen zuerst auf die Kosten eines ETF, angegeben in der sogenannten Gesamtkostenquote, kurz TER“, weiß Davor Horvat, Vorstand der Honrarfinanz AG. „Doch das ist deutlich zu kurz gesprungen.“ Andere Faktoren sollten genauso in die Entscheidung einbezogen werden. Dazu gehören:

Dividendenstrategie: Wiederanlegen oder ausschütten?

Schütten die ETFs ihre Dividenden an den Anleger direkt aus, oder werden die Dividenden einbehalten und wieder angelegt? „Da gibt es kein besser oder schlechter – nur eine persönliche Neigung“, urteilt Horvat. Wer am Anfang seiner Anlagezeit steht, wird wahrscheinlich thesaurierende Fonds bevorzugen, da dann der Vermögensaufbau schneller geht. Wer jedoch die Dividenden für Konsum oder andere Anschaffungen benötigt, wird auf ausschüttende ETFs setzen.

Fondsvolumen: 100 Millionen Euro sollten es schon sein.

„In den Fonds sollten mindestens 50 Millionen Euro eingelegt sein“, rät der Honorarberater. „Wir berücksichtigen bei unseren Empfehlungen grundsätzlich nur ETFs mit mehr als 100 Millionen Euro Volumen.“ Bei kleineren Fonds sei das Risiko, dass der Fonds aus Kostengründen vom Anbieter wieder geschlossen werde, zu groß. „Damit geht Ihr Geld nicht verloren, aber Liquidationskosten fallen an – und man wollte sein Geld ja investieren und nicht vorzeitig und unfreiwillig zurückerhalten.“ Auch sei bei kleineren Fonds das Handelsvolumen geringer – entsprechend groß können die An- und Verkaufsspannen sein. Gut möglich, dass man dann zu teuer kaufen oder zu billig verkaufen muss.

Fondswährung: Langfristig gleichen sich Währungsrisiken meist aus.

„Wenn Sie außerhalb des Euroraums anlegen wollen, nehmen Sie häufig Währungsrisiken mit in Ihr Portfolio“, betont Horvat. Besonders der US-Dollar sei bei ETFs auf US- oder asiatische Indizes die übliche Währung. Das sei aber keineswegs ein Argument, nur in Euro notierte ETFs ins Portfolio zu nehmen. „Es gibt Fonds, die eigentlich auf US-Dollar basierende ETFs in Euro anbieten“, erläutert Horvat. „Aber die sind nicht so attraktiv, wie es zunächst klingt“, erläutert Horvat. „Irgendjemand muss das Risiko der Währungsschwankungen ja dennoch tragen – und wenn es der Fondsanbieter selbst ist, preist er sein Risiko eben entsprechend ein.“ Außerdem könne der Faktor Währungsumrechnung ja auch positiv wirken: Wenn die Aktienkurse sinken, aber die Währung steigt, fände ein Ausgleich statt. Horvat relativiert aber: „Langfristig glätten sich die Währungsschwankungen deutlich. Denn mal ist der Dollar stärker, mal der Euro.“

 „Das Innenleben“: Künstlich oder echt, alles oder nur Teile?

„Schauen Sie sich an, welche Werte der ETF wirklich hält.“ Mancher ETF klingt breiter gestreut, als er ist, und hat in Wirklichkeit ausgewählte Länder oder Branchen übergewichtet. „Da können versteckte Risiken lauern.“ Horvat weiß, dass manche ETFs auch deshalb so günstig sind, weil sie nicht alle Werte eines Index enthalten. Einige ETFs bilden einen Index nur „synthetisch“ nach. Dabei wird der Index über ein Tauschgeschäft nachgebildet: Der ETF hat mit einem Finanzinstitut einen Vertrag abgeschlossen, der dem ETF gegen Gebühr die dem Index entsprechende Rendite liefert. So werden gerade Nischenmärkte oder exotischere Anlageklassen wie Rohstoffe auch für ETFs leichter zugänglich. Das Problem ist aber das sogenannte Kontrahentenrisiko – wenn der Vertragspartner des ETFs, meist eine große Internationale Bank, seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Gerade nach der Finanzkrise 2008 sind synthetische ETFs darum kritisch hinterfragt worden. Das hat dazu geführt, dass die ETFs inzwischen entsprechend hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben.

Anders hingegen die „physischen“ ETFs, die Anteile an den zum Beispiel im Index enthaltenen Unternehmen erwerben. Dann gibt es kein Kontrahenten-Risiko, jedoch das Problem des „Tracking-Fehlers“. „Es ist nicht immer möglich, die Zusammensetzung eines Index genau nachzubauen“, weiß Horvat. So kann es gut sein, dass die Wertentwicklung des ETFs nicht vollkommen parallel zu der des Index verläuft. Hinzu kommt, dass die Kosten bei der physischen Nachbildung größer sind als bei synthetischen ETFs. Physische ETFs versuchen darum auch mit Wertpapierleihe zusätzliche Erträge zu generieren. „Das ist nicht das, was der Anleger erwarten würde – aber es senkt die Fondskosten.“

Ein anderer Weg, Kosten zu senken, ist die „Sampling-Methode“: „Dabei kauft ein ETF nur die größten Werte eines Index. Denn die kleinen Index-Mitglieder haben nur geringes Gewicht im Index und beeinflussen darum die Performance des Index kaum. Sie lohnen darum kaum den Aufwand und die Kauf- und Verkaufskosten, die der ETF-Fonds mit ihnen hätte.“ Viele ETFs sind darum nach der Sampling-Methode aufgebaut – das sei aber kein Problem, gibt Horvat Entwarnung.

Und schließlich Horvats entscheidender Rat: „So wichtig es ist, sich einen ETF genauer anzuschauen – noch wichtiger wird am Ende die Anlagestrategie – global, breit, langfristig – sein.“

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